21.07.20

Sehnsuchtsfarbe Blau: Boro-Kurs im Textilstudio-Speyer, Teil 1

Margit: Boro (gesteckt - mitgebrachte Stoffe,
selbst gearbeitete Blueprints und Indigofärbungen)


Am Wochenende hatten wir in Speyer wieder unseren Boro-Kurs. Gleich vorneweg, die Arbeiten, die dort entstanden sind, sind wieder super schön geworden!
Das Ziel dieses Workshops ist nicht, Boro einfach nachzuahmen. Ziel ist vielmehr im Sinne von Boro zu arbeiten, d.h. alte und lieb gewonnene Stoffe zu verarbeiten. Oder selbst gefertigte Stoffe in die Komposition einzufügen. Und das zweite Ziel ist, Techniken von Boro zu übernehmen, d.h. es wird mit Hand genäht, gestopft und gestickt. Eben im Stil von Boro. Die Stickstiche sind eher einfach, zumeist Vorstiche. In der Regel bleiben die Kanten der Flicken offen. Und fast immer ist die Arbeit blau.

Boro entstand aus der Not: Kleidungsstücke wurden immer wieder aufs neue geflickt. Die dicht an dicht geschichteten Flicken sollten zusätzlich wie eine Wattierung wirken und wärmen.
Wir sehen heute vor allem die Ästhetik und Schönheit dieser Arbeiten, aber wir können auch die mühevolle und liebevolle Arbeit nachvollziehen, die in diesen Jacken und Decken steckt.
Googelt einfach mal unter "Boro" und schaut euch die faszinierenden Bilder an.
Oft in wundervollen Blautönen.

Deshalb haben wir für den ersten Tag wie immer zwei Blautechniken angesetzt: Cyanotypie und Indigo.Ihr werdet die blauen, selbst gemachten Stoffe in fast allen Arbeiten sehen! An den beiden anderen Tagen haben wir uns dann an die Komposition gemacht.
Gisela, Margit, Monika und Susanne begannen jeweils mit einer größeren Arbeit für die Wand. Diese sind natürlich alle noch in Arbeit. Aber für mich war faszinierend, wie schnell und sicher alle Teilnehmerinnen zu tollen Ergebnissen kamen.


Gisela (selbst gearbeiteter Blueprint, Ecoprints, bestickt)

Gisela liebt Ecoprint und Sticken
Nachdem sie ihre "Flicken" auf dem Untergrund befestigt hat, begann Gisela, mit feinem Garn und feinen Stichen die Konturen der Blattdrucke zu betonen.

Das ist das Schöne an solch einer Arbeit: bis sie fertig ist, wird es noch eine ganze Weile an entspannter Arbeit brauchen. Und mit jedem Stich wächst einem das Stück mehr und mehr ans Herz.

Gisela hat damit noch alle möglichen Pläne. Nicht nur, dass die einzelnen Prints bestickt werden. Zusätzlich sollen auch noch Stickereien von Pflanzen hinzu kommen.

Ich freue mich darauf, diese Arbeit irgendwann einmal fertig zu sehen.
Obwohl, sind Boro-Arbeiten überhaupt irgendwann einmal fertig? Oder rufen Sie immer wieder einmal nach uns?









Auch Monika liebt das Sticken.
Monika (mitgebrachte Stoffe, handgefärbte Stoffe,
handgenäht, gesteckt)

Aber als sie die Stoffe für den Hintergrund arrangiert hatte, passierte etwas Unge- wöhnliches:
Die Arbeit war schon so perfekt!

Ganz im Sinne von Boro und ganz im Sil von Boro: Nachhaltig durch den Einsatz von gebrauchten Stoffen. Die Einfachheit und das nicht ganz Perfekte, die wunderbare Komposition und elegante Linienführung, das ist ganz im Stil von Boro.
Und wie wunderbar passen hier ein früher gekaufter Stoff und handgefärbte Qualitäten zusammen!
Wir alle waren begeistert!

Ob noch die eine oder andere Stickerei hinzukommt, das wird sich Monika im Laufe der Zeit noch überlegen.

Übrigens: Wir haben die Arbeiten auf Bords mit Stecknadeln montiert. Wenn man daran geht, die Teile zusammen zu nähen, müssen die Stecknadeln natürlich gelöst werden.
Dann kann es schnell passieren, dass die vorher toll gesteckte Komposition plötzlich ganz anders aussieht. Mit Hilfe von Fotos der Zwischenschritten kann das vermieden werden (danke an Ela!!)




Susanne (handgefärbte Stoffe, Blueprint, Indigo, Ecoprint auf Leinen)






Susanne liebt Komposition und Patchen.

Auf einem wunderbaren, edlen Leinenstoff hat Susanne selbst gefärbte Qualitäten und handgefärbte Indigo- und Blueprintstoffe arrangiert. Die wunderbaren Blautöne harmonieren ganz hervorragend miteinander!
Und weil jede ausgewogene Harmonie nach einen Kontrast ruft, hat sich Susanne für einen gelbgrünen Ecoprint als Blickfang entschlossen.
Wie groß dieser Blickfang genau werden wird, ist noch nicht beschlossene Sache. Aber er bringt die Arbeit in ein wunderbares Gleichgewicht!


Morgen geht es weiter mit den Arbeiten von Hanka (Reissack),
Ela (Bucheinband) und Esther (Weste)! Ihr dürft gespannt sein!