16.05.19

Kann man das waschen?



Wenn man auf einer Messe oder ähnlichen Veranstaltungen eine Farbe oder Drucktechnik vorstellt, ist die häufigste Frage, die gestellt wird: "Kann man das waschen?"
Bei Textilfarben ist das einfach: sie sind vom Hersteller auf Waschbarkeit geprüft. In der Regel ist die Anleitung so geschrieben, dass man -wenn man ihr folgt- nicht nur Handwäsche, sondern auch eine Maschinenwäsche von wenigstens 30-40°C durchführen kann, ohne dass die Farbe schnell verblasst.

Aber: Maschinenwäsche ist nicht gleich Maschinenwäsche.
Alle Waschmaschinen, ob alt oder neu, bieten eine große Auswahl an Programmen. Man muss also ein paar Überlegungen anstellen, wie intensiv die Wäsche überhaupt ausfallen muss. Denn die Beanspruchung hängt ja nicht alleine von der Temperatur ab, sondern auch von der Länge des Waschprogramms und der Intensität der Bewegung bzw. der Reibung mit anderen Stoffstücken in der Trommel.
Wenn ich also besonders sanft waschen möchte, wähle ich ein kurzes, kaltes Programm oder eines mit niedrigen Temperaturen sowie mit wenig Bewegung. Auch den anschließenden Schleudergang setze ich entsprechend an.
Wichtig ist außerdem, ausreichend Wasser in der Trommel zu haben. Im Zweifelsfall also immer "Wasser Plus" wählen.
So kann man -wenn man denn unbedingt waschen möchte oder muss- sehr differenziert und sehr schonend arbeiten.

Das richtige Waschmittel
Ob man mit dem Ergebnis zufrieden ist, hängt immer auch vom richtigen Waschmittel ab. Bei dem riesigen Angebot kenne ich mich nicht so gut aus, weil wir seit Jahrzehnten neutrale Bio-Waschmittel ohne Duft bevorzugen. Sie greifen die Farben nicht oder kaum an und sind deshalb ideal für selbst gefärbte und selbst bedruckte Lieblingsstücke.

Waffe gegen das Ausbluten: Farbfänger!
Nicht nur selbst gefärbte Stoffe können ausbluten, sondern auch Jeans, T-Shirts usw. Unangenehm ist, wenn sich die Farbe während des Waschgangs auf andere Stücke überträgt.
Das geeignete Mittel gegen unerwünschtes Überfärben sind Farbfänger aus der Drogerie.
Uns wurden sie von Claire Benn während eines Kurses empfohlen. Wir haben sie ausprobiert und möchten sie inzwischen nicht mehr missen.
Ob Markenartikel oder billige Hausmarke: alle funktionieren ähnlich gut. Man kann sie solange verwenden, bis sie eine wirklich dunkle Farbe angenommen haben. Deshalb lege ich lieber 1-2 Farbfänger mehr in die Trommel, je nachdem, wieviel gefärbter Stoff gewaschen werden soll bzw. ob ich ein Ausbluten vermute (wie z.B. bei Procion-Stoffen).

Wasserfest oder waschfest?
Der Begriff "wasserfest" bedeutet leider nicht in jedem Fall "waschfest". Eine Farbe ist wasserfest (in der Regel auf Papier aufgetragen), wenn sie nach dem Trocknen durch Feuchtigkeit nicht mehr anlösbar ist. Wasserfeste Stifte, auf Stoff aufgetragen, halten meistens eine sanfte Handwäsche aus, können dabei aber ihre Farbe verändern. Manche werden blasser, andere erhalten einen anderen Farbton. Aber es gibt tatsächlich einige, die sogar eine sanfte, kurze Maschinenwäsche mit niedrigen Temperaturen aushalten. Textilstifte halten in der Regel ihre Farbe, sind aber zum Malen gedacht, so dass man selten Stifte mit dünner Spitze findet. Man muss halt suchen und experimentieren.
Tuschen: ein interessantes Thema! Tuschen sind in der Regel wasserfest, aber natürlich primär für Papier gedacht. Man kann damit auch auf Stoff schreiben. Leider verändert sich aber ihr Ton. Unsere schwarze Tusche wird z.B. schiefergrau, die knallrote Tusche wandelt sich in ein schönes Bordeaux.

Und was ist mit den vielen tollen Farben, die weder wasserfest noch waschfest sind?
Es gibt so viele interessante Möglichkeiten, dass das wieder ein ziemlich umfangreicher Artikel werden wird.Das verschiebe ich lieber auf ein anderes Mal, denn ich bin müde. Der Tag war lang.
Ein schönes Wochenende wünsche ich euch! Meines wird sicherlich fein, denn wir haben wieder einen tollen Mixed Media Kurs in Mannheim, auf den ich mich schon sehr freue!