25.02.18

Collagen als Training (auch für Stoffbegeisterte)

Garten: Collage aus alten Buchseiten, Gelatineprints, aquarellierter Siebdruck

Schneiden, reißen, kleben - das sind die wesentlichen Techniken beim Collagieren.
Bei mir kommt allerdings immer noch die Vorstufe von Färben, Malen und Drucken hinzu. So sehr ich Collagen liebe mit Elementen aus alten Büchern und Zeitschriften, sie neu und überraschend zusammenzustellen gelingt mir einfach nicht.
Anstelle eines Stapels alter Ausrisse finden sich bei mir also Stapel von Blueprints, Rostpapieren, Ecoprints, Schwammdrucken, Gelatinedrucken, eingefärbten Papieren, transparenten Stoffresten und, seit dem Workshop von Moni bei uns, von getrockneten Teebeuteln. Meistens Reste aus Kursen oder Überbleibsel von Vorbereitungen für Kurse. Da geht es mir wie den Patchworkerinnen: kein Schnipselchen ist zu klein, um nicht aufgehoben zu werden.
Meine Arbeiten entstehen meistens als Beispiele für Kursthemen. Die Gartencollage oben sollte zum Beispiel zwei Kompositionregeln zeigen: die Zahl 3 (oder die ungeraden Zahlen) sowie die Diagonale. Mit diesen und anderen Regeln kommt man in der Regel zu vergleichsweise harmonischen Bildern. Aber Regeln sind immer nur Hilfsmittel, und Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden. Oft erhält man gerade durch das Brechen von Regeln interessantere Arbeiten.
Letztlich ist jede Komposition eine Gefühlssache, und zwar eine persönliche, individuelle. Das Gefühl für Ausgewogenheit, Gleichgewicht und Kontrast lässt sich trainieren. Es muss sogar trainiert werden. Zum einen durch bewusstes Betrachten von Bildern. Zum anderen durch eigenes Handeln.
Jette Clover versucht in jedem ihrer tollen Workshops, die Teilnehmerinnen dazu zu motivieren, täglich eine Collage zu kleben. Just for fun, einfach als Training, um Sicherheit im Komponieren von Collagen zu erhalten. Für solch ein Tagestraining braucht es einfache Aufgaben, die sich z.B. in 15 Minuten erledigen lassen. Jette stellt zum Beispiel kleine Collagen aus wenigen Elementen zusammen, die sie auf Karten klebt und zu Weihnachten an Freunde und Bekannte verschickt.
Meine Liebe zu Collagen ist noch relativ jung. Sie ist gewachsen, als ich entdeckt habe, wie nah sich Papiercollagen und Patchwork sind. Die Überlegungen zur Komposition sind dieselben. Auch die Techniken für die Papiergestaltung ähneln denjenigen für die Stoffgestaltung. Aber eine Collage mit Papierelementen braucht weniger Arbeitsplatz und ist schneller durchzuführen als eine große Arbeit für die Wand aus Stoff. So schließt sich der Kreis: Alles, was ich mit Stoff mache, kommt den Collagen zugute. Alles, was ich mit Papier mache, kommt der Stoffgestaltung zugute. Wichtig ist nur, dabei zu bleiben.

Weiterführende Links
  • Die Ergebnisse der tollen Aktion "15fünfzehn" findet ihr bei Miss Herzfrisch (LINK). Bei ihr kann man monatlich eigene Collagen verlinken, so dass es auf dieser Seite viele inspirierende Beispiele zu finden (und zu kaufen) gibt.
  • Andie von http://www.regnitzflimmern.de/, eine der besten Stempelschnitzerinnen, stellt auf ihrer Instagramseite (https://www.instagram.com/regnitzflimmern/) wirklich tolle Collagen vor! Man muss sie ein bisschen suchen, aber bei den wunderbaren Stempelveröffentlichungen ist das kein bisschen langweilig (im Gegenteil).
  • Meine Blogroll spiegelt meine Interessen wieder: fast alle Bloggerinnen, die dort zur Zeit versammelt sind, stellen regelmäßig Collagen vor.





1 Kommentar:

  1. Wie sprichst du mir aus dem Herzen, liebe Sabine! Collagen sind wunderbare Kompositionsübungen und mir fällt es auch schwer, zu erklären wie sie enstehen, es ist ein Ausbalancieren, Schieben und Testen und ja Erfahrung ganz bestimmt. Die Papier-und Schnipselsammelleidenschaft ist natürlich fatal und kann zu Chaos führen, aber auch zu wunderbaren Ergebnissen.
    Freu mich schon so auf ganz ganz bald
    Michaela

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