29.03.15

Stoffspielerei - Seltene Techniken: Wachs-Graffititechnik auf Stoff


Schwarzer Baumwollsatin, gewachst mit Sojawachs, dann geritzt und entfärbt

Was ich heute bei der "Stoffspielerei" zeige, ist eine Technik, die beim Spielen mit Entfärbepaste entstanden ist. Ich denke, sie gehört zu den seltenen Techniken, weil ich sie so noch nie gesehen habe: ein typisches Ergebnis, das beim entspannten Überlegen "was passiert wohl, wenn ich..." entstehen kann.
Die erste Version, die ich oben zeige, gefällt mir am besten, obwohl sie eigentlich misslungen ist (ich erkläre später, warum). Sie erinnert mich an Graffiti-Wände oder verwitterte, geritzte Steine.
Solch einen Stoff könnte man z.B.in einen Artquilt verarbeiten, zu einem Oberteil vernähen, für einen Theatervorhang verwenden, in eine Tasche verwandeln usw.

Kurzanleitung
Man braucht dazu
einen (kräftigen) Stoff der sich entfärben lässt (muss nicht schwarz sein)
Wachs (ich habe Sojawachs und Kaltwachs ausprobiert). Für Sojawachs braucht man eine Wärmequelle.
Borstenpinsel, Instrument zum Ritzen
Entfärbepaste
Bügeleisen, altes Zeitungspapier
Ablauf
Stoff mit einer feinen Schicht Wachs abdecken und trocknen lassen
Muster, Buchstaben usw. einritzen
Entfärbepaste mit dem Pinsel einreiben und trocknen lassen
Wachs ausbügeln, Entfärber mit Dampfbügeleisen aktivieren
heiß waschen

Schwarzer Baumwollsatin, mit Sojawachs bestrichen, geritzt

Hier sehr ihr den Beginn der Arbeit oben. Eine feine Schicht Sojawachs bedeckt den Stoff. Nach dem Erkalten kann man das Wachs ritzen. Um stärkere Verletzungen zu vermeiden, sollte der Stoff eine gewisse Stabilität besitzen. Ich habe verschiedene Instrumente ausprobiert: z.B. Schraubenzieher, Nägel und ähnliches. Das Gravierinstrument lag am besten in der Hand und hat die besten Resultate ergeben, aber man kann durchaus etwas Geeignetes im Werkzeugkasten finden.
Nach Beendigung des Musterns muss die Entfärbepaste (sie muss dick angerührt werden, darf nicht fließen) in die feinen Ritzungen eingerieben werden. Am besten gelingt das mit einem Borstenpinsel.

Abwischen der Entfärbepaste vom Wachs
Die zum Teil großflächige Entfärbung beim Stoff oben entstand, weil ich vergessen hatte, die Paste vor dem Bügeln vom Wachs abzuwischen. Die Hitze hat Wachs und Entfärbepaste vermischt und teilweise auf dem Stoff reagieren lassen. Dadurch kommt der "Antikeffekt" zustande: man sieht zwar die Musterung immer noch, aber das Schwarz des Stoffes wurde teilweise mit entfärbt.
Wie ein Stoff aussieht, bei dem man die Entfärbepaste vor dem Bügeln abwischt, sehr ihr hier:

Schwarzer Baumwollsatin, gewachst mit Sojawachs, dann geritzt, gewischt und entfärbt

Varianten im Wachs
Erkaltetes Sojawachs ist nach dem Erkalten spröde, ähnlich wie Paraffin. So bekommt man die Brüche (Krakelüren), wenn man das Wachs bricht oder ritzt. In diese Brüche kann dann Farbe oder eben auch Entfärber kriechen und weitere Zufallsmuster ergeben. Auf diesem Probestück, aber auch oben, sieht man das ganz gut.
Ein Wachs (bzw. eine wachsähnliche Substanz), die viel weicher ist, ist das so genannte Kaltwachs. Auch das habe ich noch ausprobiert.


Das Ritzen war weit weniger anstrengend. Da das Wachs keinen Widerstand bietet, kann man zeichnerisch vorgehen und Rundungen aller Art gelingen prima. Beim störrischen Sojawachs wollten die Rundungen nicht so recht.

Die Wachs-Graffititechnik ist noch lange nicht ausgereizt. Ich würde sie z.B. gerne einmal auf einem farbigen Stoff ausprobieren.

Gespannt bin ich auch auf die Beitrage, die heute bei Suschna (Textile Geschichten) eingehen: sie sammelt Arbeiten zum Thema "Seltene Techniken" von allen, die sich im Laufe des Tages bei ihr melden. Schaut rein, es lohnt sich!