18.08.15

Monoprint auf Stoff - grundsätzliche Überlegungen

Leslie Morgan (www.committedtocloth.uk): Großformatiger Monoprint auf einer Plastiktischdecke

Über Monoprint wird in den letzten Monaten viel geschrieben, seit die Gelli- und Gelatinedruck-Aktionen mit ihren wunderschönen Drucken auf Papier veröffentlicht worden sind (z.B. Adventspostaktion von Tabea Heinicker und MüllerinArt).
Kristina hat eine tolle Anleitung dazu geschrieben (hier und hier).
Ende September haben wir in Speyer einen Kurs mit Leslie und Claudia, der sich unter anderem mit Monoprint beschäftigt. Zeit für mich, mit im Vorfeld vorzubereiten und mich mit dieser Technik näher zu beschäftigen. Denn meine bisherigen Versuche haben mich meist nur teilweise befriedigt (da ging es mir nicht anders als Kristina und Sibylle). Das will ich nun ändern und lasse euch an meinen Testreihen teilnehmen.

Was ist eigentlich Monoprint?
Wie der Name schon sagt, eine Technik, mit der man einen einzigen, einzigartigen Druck herstellt, der nicht wiederholbar ist. Kurz gesagt streicht man auf eine Platte dicke Farbe oder Farben auf, mustert diese eventuell und nimmt diese Farbe dann mit Papier, Leinwand oder Stoff ab.

Was beeinflusst das Ergebnis eines Monoprints?
Und jetzt hat man schon die vielen Faktoren vorliegen, die einen Monoprint im Ergebnis beeinflussen können:
  • die Art der Platte (Gelatine oder Gelliplatten sind nur eine der vielen Möglichkeiten). Ausprobiert habe ich schon Gelliplate, Glas, Plexiglas, Plastiktischdecke, aufgeschnittene Plastiktüten - und verpackungen, Resopalplatten, Moosgummi, Styrodur und eine Menge mehr. Die Oberfläche der Platte (in Abhängigkeit von der verwendeten Farbe) bestimmt das Verhalten der Farbe: wie sie auf der Platte steht (und somit gut gemustert werden kann) bzw. teilweise abgestoßen wird bzw. abperlt (Zufallsmuster). Die Weichheit der Platte bestimmt, wie und mit welchen Instrumenten man die aufgetragene Farbe mustern kann.
  • die Art der Farbe: für Papier kommen meist deckende Farben in Frage wie Acrylfarben oder manchmal bei bestimmten Techniken auch Ölfarben. Bei Stoff sind die Farben in der Regel halbtransparent: Druckfarben wie z.B. DekaPrint oder Stoffmalfarben (beides sind Textilacrylfarben, die etwas langsamer trocknen als die typischen Acrylfarben zum Malen), angedickte Procion MX, angedickte Seidenfarben (Säurefarben) oder eben auch Öl-Stoffdruckfarben. All diese Farben trocknen verhältnismäßig langsam, aber man kann den Trocknungsprozess mit dem Föhn beschleunigen. Bevor man eine weitere Schicht aufträgt, muss die vorherige (fast) trocken sein, damit sich die Farben der beiden Schichten nicht unerwünscht mischen. Die Ergebnisse der angedickten Farben sind immer "malerischer" im Vergleich zu denjenigen mit Acrylfarben (egal ob für Textilien oder Papier). Da man den Stoff meistens möglichst weich behalten möchte, bleibt man in der Regel bei Textilfarben und viel weniger Schichten, als man es bei Papier gewohnt ist.
  • die Art des Trägers: Stoff unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von Papier. Papier und beschichtete Leinwand sind dicht geschlossen. Bei Stoff muss man immer die "Kapillarwirkung" bedenken: er ist mehr oder weniger stark saugfähig, d.h. die feinen Löcher in Faser und Gewebe saugen Farbe an, sammeln sie, und so werden die Muster immer etwas verschwommener und weniger detailreich. Dann kommen natürlich noch weitere Faktoren hinzu wie z.B. die Art der Faser, die Art ihrer Ausspinnung, die Struktur des Stoffes usw. Gegen die Kapillarwirkung kann man den Stoff versuchen zu beschichten: auch da gibt es verschiedene Möglichkeiten.
  • die Art der Abnahme: man kann den Stoff auf die bemalte Farbe legen und die Farbe so abnehmen (z.B. mit einem Rolle oder mit der Hand ausstreichen oder nur teilweise aufnehmen...). Man kann auch die bemalte Platte auf den Stoff legen und die Farbe so übertragen... 
Man könnte also ein Buch darüber schreiben...
Papier ist nicht gleich Stoff
Obwohl mich die tollen Papierergebnisse immer noch reizen und ich mich immer wieder daran versuche, ähnliches auf Stoff bringen zu wollen, verabschiede ich mich zunächst einmal von dieser Vorstellung. Zu unterschiedlich sind die Bedingungen auf Stoff, als dass ich diesen Traum schnell verwirklichen kann!
Im Kurs von Leslie und Claudia arbeiten wir mit angedickter Procion MX Farbe. Der Stoff ist Baumwollsatin, also dicht gewebt, mittelstark und nicht beschichtet. Mal sehen, was daraus entstehen wird!

Kommentare:

  1. Hallihallo! Vielen Dank für die Verlinkung erst einmal :) tatsächlich bin ich auch im Moment noch in dem Stadium, wo ich mich frage, ob die Welt Gelatinedruck auf Stoff wohl braucht…So richtig doll ist das alles noch nicht geworden, aber ich bleibe dran. So wie auf Papier werden die Effekte wohl nicht werden, schätze ich. Aber der Tipp mit dem Baumwollsatin ist gut! Dicht gewebt und glatt könnte besser funktionieren, als grober Baumwollstoff.
    Ich bin gespannt auf die Ergebnisse von eurem nächsten Kurs!
    Viele Grüße
    Kristina

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  2. Also wenn man in die Nähe Deiner tollen Papierdrucke kommen möchte, glaube ich, dass man auch einen Baumwollsatin beschichten muss. Irgendwann einmal mache ich mich daran, die verschiedenen Möglichkeiten zu testen. Letztendlich wird man dann wohl auf so etwas wie einen beschichteten Canvas kommen und vergleichbare Farben wie bei Papier benutzen.
    Bei meinen nächsten Versuchen bleibe ich in der Nähe von flexiblem Stoff und verdickter Procion. Das Ergebnis wird ziemlich anders aussehen als auf Papier, weniger kontrastreich vermute ich mal und malerischer.
    Wir hatten früher schon mal während der Seidenmalzeit ziemlich viel Monotypie mit verdickter Seidenmalfarbe durchgeführt, aber in der Regel mit weniger Schichten, da die Seide nicht so viel Farbe aufnimmt.
    Alles in allem ein spannendes Thema, das mich zur Zeit nicht los lässt.
    Viele Grüße von Sabine

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  3. Hallo ihr lieben Spezialistinnen!
    Mit Monoprint kenne ich mich noch nicht so toll aus, aber vielleicht ist ja ein Anfänger-Kommentar auch willkommen ...
    Gelatinedruck habe ich noch nie probiert. Was mich abschreckt, ist der scheinbar riesige Arbeitsaufwand. Aber der großformatige Monoprint auf der Plastik-Tischdecke ist einen Versuch wert. Müsste auch mit einem billigen Duschvorhang aus dem blau-gelben Möbelhaus funktionieren oder mit der dicken Plastikverpackung vom neuen Sofa.

    Ich habe im Kurs von Sabine am 8.8. zum ersten Mal mit verdickter Procion und Styrodur-Platten auf BW-Satin gedruckt und zu Hause den Mut gefunden, 3 weitere Stoffstücke zu bearbeiten. Hmmm, sie sind allesamt sehr "laut" geworden, was aber eher an meiner Vorliebe liegt, tief ins Töpfchen mit dem Farbpulver zu greifen :-)
    Mir gefällt an der Methode vor allem, dass man/frau schnell eine Grundstruktur auf dem Stoff hat, die sich dann mit etwas Kleinerem füllen lässt. Monoprint kombiniert mit Siebdruckschablonen stelle ich mir toll vor. Wird ausprobiert !
    Liebe Grüße von Ute

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  4. Das ist sicher total interessant, mal die unterschiedlichen Plastiktischdecken im Ergebnis zu vergleichen. Bei großen Stoffstücken braucht man eigentlich eine zweite Person, die dabei hilft, den Stoff aufzulegen und wieder abzunehmen. Aber ich finde auch, dass diese Technik tolle Hintergründe ergibt! Es bleibt also spannend...
    Liebe Grüße von Sabine

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