03.06.15

Abklatsch - der Beginn eines neuen Stoffes


Abklatsch
In der Literatur übers Schreiben liest man oft von der Furcht des Schriftstellers vor dem weißen Papier. Die Geschichte beginnt mit dem ersten Satz auf der ersten Seite. Mit diesem Satz wird ein Weg gewiesen und eine Stimmung hergestellt. In gewisser Weise ist er entscheidend, und man kann schon lange zögern, ihn aufs Papier zu bringen.

Dieses Gefühl kann einen auch überkommen, wenn man vor einem weißen Stoff steht... mit dem ersten Farbauftrag beginnt der Dialog mit dem Stoff, die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Ich liebe einen Abklatsch, weil dadurch der erste Satz schon geschrieben wurde und ich einem Weg folgen kann.
Besonders interessant ist bei einem solchen Abklatsch, dass der Abdruck spiegelverkehrt ist, dass z.B. bei einer Schrift (wie oben) keine Inhalte zu lesen, sondern Schwünge zu sehen sind. Das macht das Ganze vieldeutiger.

Beim Kramen in alten Bildern habe ich eine kleine Bildfolge gesehen, die bei einem Schrift-Workshop mit Claudia Helmer im Textilstudio Speyer entstanden ist, vielleicht vor etwa 2 Jahren.
Den ursprünglichen (gelb-rot-schwarzen) Stoff seht ihr links. Als die rote Schrift auf diesem Stoff noch feucht war, wurde ein weißes, ähnlich großes Stück Stoff darauf gelegt und die noch nicht getrocknete Farbe vorsichtig abgenommen. Daraus entstand der Abklatsch oben.


Weiter ging es dann mit großen gelben Blockbuchstaben (ganz unten).
Aber dann??

Leider gibt es keine weiteren Bilder, anhand derer ich mich erinnern könnte, was aus dem Stoff anschließend geworden ist.
Weggeworfen habe ich ihn sicher nicht, vielleicht aber weiter so intensiv bedruckt, dass man den Ursprung nun nicht mehr nachvollziehen kann.
Vielleicht wartet er aber auch in einer meiner Kisten, dass ich ihn irgendwann finde.Und wir beide die begonnene Geschichte weiter erzählen können. 
                                                               




1 Kommentar:

  1. Liebe Sabine,
    du hast den Begriff "Abklatsch" wunderbar interpretiert. Für viele (mich eingeschlossen) ist das Wort synonym für "kopiert, abgekupfert, nachgemacht". Mit der Betonung auf billig und schlecht. Oder, wie man hier sagt: mit einem G'schmäckle.
    Der Begriff kommt, glaube ich, ursprünglich aus der Druckersprache und bedeutet tätsächlich "kopiert", allerdings ohne schlechten Beigeschmack. Aber ganz praktisch gesehen, kann der Abklatsch der Beginn von etwas ganz Wunderbarem sein.
    Mir fällt da ganz spontan Sauerteig ein ...
    Grüßle
    Ute

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