30.04.15

Mit Pflanzen reservieren & Pflanzenfarben spühen

Brunhilde Scheidmeir: gesprühter Pflanzensud auf Stoff

Es ist schon etwa fünf Jahre her, seit Brunhilde Scheidmeir diese Stoffe gemacht hat, aber sie gefallen mir immer noch sehr sehr gut! Wer das Gefühl hat, er habe diese Stoffe schon einmal gesehen, liegt richtig: wir haben sie 2010 auf dem alten Blog gezeigt.
Der alte Blog wird nach und nach aufgelöst werden, denn die Pflege (SPAM, Zuschriften) ist mir zu aufwändig geworden. 
Ich nehme mir jetzt immer wieder einen Artikel oder Themenkomplex aus dem alten Blog vor, von dem ich denke, dass er interessant sein könnte, überarbeite ihn und stelle ihn hier in den Blog ein. Den Beginn macht das Sprühen; zum Thema Sprühen werden noch weitere Artikel folgen.

Brunhilde Scheidmeir: gesprühter Pflanzensud auf Stoff
Sprühgeräte
Früher haben wir zum Versprühen die FunPump empfohlen, aber die gibt es so leider nicht mehr bzw. nur noch mit einem verhältnismäßig hohen Preis. Wie ich inzwischen ausprobiert habe, eignen sich auch Wasserzerstäuber (für große Mengen einer Farbe) oder Glassprühflaschen/Duftzerstäuber (für kleine Mengen unterschiedlicher Farben).
Man ist nicht eingeschränkt beim Sprühen und kann z.B. Seidenmalfarben für die Dampffixierung, Bügelfarben, gelöste Entfärber oder wie hier oben auch Pflanzenfarben versprühen. Wichtig ist dann immer nur noch die entsprechende Fixierung oder Nachbehandlung.

Das Auslegen des Stoffs
Wenn auch die Stoffkanten Farbe abbekommen sollen, muss man abdecken. Da ich im Laden nur alle paar Wochen zum textilen Arbeiten komme, verwende ich zum Abdecken von Tisch und Boden meistens preiswerte, dünne Malerfolie, die man anschließend entsorgen kann.
Wenn man häufiger mit "feucht-farbigen" Techniken arbeitet (z.B. auch mit großflächiger Monotypie), lohnt sich allerdings die Anschaffung einer kräftigen Folie, wie man sie zum Abdecken von Gartentischen verwendet. Sie ist so stabil, dass man sie gut säubern und anchließend, grollt, aufbewahren kann. Wir haben sie im Textilstudio zum Abdecken der Tische, und ich bin immer wieder begeistert, wie vielseitig sie sich einsetzen lässt!
Große Stoffe lassen sich außerhalb der Wohnung besonders gut bearbeiten. Da aber ein möglicher Windstoß die Arbeit zunichte machen kann, den Stoff am besten an der Unterlage befestigen (z.B. Kreppband) und auch die Unterlage beschweren.
Dass der Stoff gebügelt und die Unterlage schön waagerecht liegen sollten ist klar, denn Fältchen und Vertiefungen sammeln die Farbe und ergeben (unerwünschte) Muster.

Tipps für das richtige Sprühen
VORHER AUSPROBIEREN! Wenn man eine Sprühflasche noch nicht kennt oder schon lange nicht mehr verwendet hat, sollte man auf einem alten Zeitungspapier ein paar Probestöße durchführen. So kann man einschätzen, wie fein oder grob oder dicht der Farbnebel kommt.
Auußerdem hilft ein Tuch dicht unter der Düse gehalten, die ganz dicken Tropfen zu vermindern. Ganz werden sie sich nie verhindern lassen. Ich ärgere mich zwar zunächst meistens darüber, denn sie sind ja nicht geplant. Andererseits ergeben sie dann der Arbeit doch letztendlich erst den richtigen Pfiff.
Auch das Halten der Düse ist wichtig: nicht direkt auf den Stoff halten sondern eher waagerecht, so dass der Farbnebel über dem Stoff schwebt und dann absinkt. Wenn man direkt auf den Stoff spüht, erhält man schnell sehr feuchte, dichte Pfützen (siehe nächster Abschnitt). Sprüht man eher waagerecht, ergeben sich feine Nebel und man sieht später die feinen Tröpfchen. 
Das Wichtigste aber: Sprühen sollte nie nass werden! Es ist eine eher trockene Technik! Also: kurze Farbstöße, diese Feuchtigkeit antrocknen lassen, dann wieder darüber sprühen!

Die großflächigen Beispiele von Brunhilde Scheidmeir sind auch Baumwolle und Leinen, die sie mit Pflanzen belegt und mit einem Sud aus Blauholz übersprüht hat. Nach dem Trocknen wurden die Pflanzen entfernt und die Stoffe mit Dampf fixiert.

Brunhilde Scheidmeir: gesprühter Pflanzensud auf Stoff



Welche Farbe kann man sprühen?
Wie man sieht, lassen sich nicht nur Bügelfarben, sondern auch Säurefarben (dampffixierbare Seidenmalfarben), Batikfarben, Pflanzensud oder gelöster Entfärber (=wässrige Lösungen) versprühen. Hierbei ist natürlich immer die richtige Nachbehandlung -das Fixieren- zu beachten. Beim Versprühen von Entfärbern entsprechende Schutzbekleidung/Maske/Schutzbrille/Handschuhe tragen.
Wichtig: Wenn man Bügelfarben versprüht, Flasche und Düse unbedingt schnell säubern! Die Pigmente können eintrocknen und die Düsen verstopfen!
Was auf keinen Fall gesprüht werden darf, sind Farben, die mit Lösungsmitteln versetzt sind!
 
Noch ein paar Tipps
  • Wird ein feiner Stoff (z.B. leichte und mittelschwere Seide) verwendet, auf dem die Farbe schnell fließt, sollte am besten zuerst mit einem Aquarellgrund grundiert werden. Darauf bleibt die Farbe stehen und kriecht nicht unter die Pflanzenschablone (Maske). Nach dem Fixieren wird der Aquarellgrund einfach ausgewaschen.
  • Lieber mehrere feine Farbschichten aufsprühen und kurz antrocknen lassen.
  • Um scharfe Konturen zu erhalten, kann die Rückseite der Pflanzen mit wasserlöslichem Klebespray versehen werden. So lassen sich auch die Ränder der Pflanzen gut andrücken. Falls sich nach dem Abnehmen der Pflanzen noch Klebereste auf dem Stoff befinden, können diese nach dem Fixieren ausgewaschen werden.

Kommentare:

  1. Super, Danke für die Tipps! In die Richtung werde ich bestimmt weiter experimentieren.

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    1. Ja, ich glaube auch, dass das eine prima Methode ist, um größere Stoffstücke zum Nähen herstellen zu können. Experimentiere aber am besten -zumindest beim ersten Stück- draußen (oder decke großflächig ab...).
      Liebe Grüße von Sabine

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  2. Vielen Dank für die Anleitung. Beim Wort "Pflanzenfarben" werde ich ja automatisch hellhörig. Das heißt, wenn ich demnächst eine Flotte vom Wollefärben da habe, kann ich sie auch gleich für diese Technik verwenden. Das klingt gut.
    LG
    Siebensachen

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    1. Ja, das ist eine prima Idee!
      Wie beim Pflanzenfärben muss man auch bei dieser Technik die Intensität der Farbflotte beachten, das Zusammenpassen von Faser und Pflanzenfarbe und das eventuelle, vorherige Beizen des Stoffes, um die Haltbarkeit zu gewährleisten. Da beim Sprühen nicht gekocht werden kann, muss man anschließend -wie bei der Seidenmalerei- eine Form von Dampffixierung durchführen.
      Liebe Grüße von Sabine

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  3. Das will ich unbedingt probieren. Ich habe schon sehr lange meine Seidenmalfarben vernachlässigt. Gibt es eigentlich auch ein Verfallsdatum für Seidenmalfarben? Ich habe Farben des Herstellers Dupont. Vermutlich sind diese schon 6 oder sieben Jahre alt, wenn nicht älter. Schönes Wochenende, Inge

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    1. Mit Seidenmalfarben geht das auch prima! Nein, ein Verfallsdatum gibt es bei Seidenmalfarben nicht. Ob sie noch ok sind, kannst Du an zwei Merkmalen prüfen: zum einen, ob Schwebeteilchen in der Farbe zu sehen sind. Dann würde ich die Farbe einfach abseihen. Im Prinzip müsste die Farbe dann noch gut sein.
      Wichtig ist die "Riechprobe": wenn die Farbe sehr unangenehm riecht, dann ist sie verdorben. Färben tut sie immer noch, aber der Geruch geht aus dem Stoff nicht mehr heraus.
      Farben kippen eigentlich nur, wenn Verunreinigungen in fir Lösung gekommen sind, also wenn man z.B. mit dem Pinsel in die Farbe taucht oder übrig gebliebene Farbe wieder in die Flasche schüttet.
      Liebe Grüße von Sabine

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  4. Liebe Sabine, das ging aber schnell. Vielen Dank für die Info. Das hilft mir sehr. Ein schönes Wochenende wünscht, Inge

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