27.02.15

Alles bunt! Pigmentfarben oder Farbstoffe?

Kombination von Reaktivfarbe (Untergrund) und Pigmentfarbe (Druck)
Wenn man Lust hat, seine eigenen Stoffe zu färben, zu überfärben, zu bemalen oder zu bedrucken, dann hat man die Freude oder auch Qual, sich in einem großen Angebot zurechtfinden zu dürfen oder müssen.
Gleich zu Beginn: es gibt keine optimale Farbe, die alles kann. Pigmentfarben (paints) und Farbstoffe (dyes) (wir kommen gleich zu dieser Unterscheidung) haben jeweils spezielle Eigenschaften.
Aber: wenn man ein bestimmtes Vorhaben hat, kann man sich ein Produkt aussuchen, das sich im Vergleich optimal eignet.

WICHTIGE UNTERSCHEIDUNG
Pigmentfarben (paints) bestehen aus feinsten Farbplättchen in einem Träger, der z.B. auf Acryl oder Öl o.a. basiert. Die Farben können flüssig oder pastos eingestellt sein, und sie werden in ihren Eigenschaften speziell für Papier, Leinwand, Stoff oder einen anderen Untergrund ausgerichtet.
Auf Stoff arbeitet man in der Regel mit einer Textil-Acrylfarbe (Bügelfarbe), die es in unterschiedlichen Flüssigkeitgraden gibt. Oder man verwendet eine Druckfarbe auf Ölbasis.
Textil-Acrylfarben eignen sich nur bedingt für Papier (sie trocknen nicht wirklich gut auf, sondern bleiben oft klebrig. Acrylfarben, die für die Malerei bestimmt sind, machen den Stoff wiederum steif und lassen sich langfristig nicht gut waschen.
Alle Pigmentfarben sitzen auf der Faser und ergeben dadurch einen mehr oder weniger festen Griff. Wie steif sich der Stoff nach dem Druck anfühlt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. von der Art des Stoffs, von der Art des Farbauftrags oder von der Flächigkeit des Motivs. Je stärker verdünnt (Wasser), je feiner der Farbauftrag und je dicker der Stoff, desto weniger fühlt man einen Griff. Generell gilt: nach dem Waschen fühlen sich Textil-Acrylfarben oft weicher an. Textil-Acrylfarben eignen sich nur für einen Oberflächenauftrag durch Malerei oder Druck, nicht aber fürs Färben.
Pigmentfarben eignen sich für alle Naturstoffe.
Pigmentfarben lassen sich nicht entfärben, im Gegenteil, sie reservieren (ähnlich wie Wachs) bei einer anschließenden Überfärbung durch Farbstoffe.

Tray Dyeing mit Procion MX (schnell aufziehende Reaktivfarbe)
Farbstoffe (dyes) dringen in die Faser ein und verbinden sich mit ihr. Oft bekommt man Farbstoffe als Pulver, das man erst auflöst und dann anwendet. Entweder als flüssige Farbe zum Färben, Sprühen und Malen. Oder man gibt einen Verdicker hinzu und kann dann mit dieser Farbpaste malen, schreiben, drucken.
Der Vorteil der Verbindung von Faser und Farbstoff besteht darin, dass der Stoff weich bleibt. Das macht diese Farbe ideal für das Färben von Bekleidung. Der Nachteil besteht in ihrer aufwändigeren Fixierung.
          Für uns interessant sind vor allem drei Gruppen von Farbstoffen.
  • Reaktivfarben (Kaltfarben), die sich für Pflanzenfasern (Baumwolle, Leinen, Viscose u.a.) und auch für Seide eignen. Synthetics gehören nicht dazu, wodurch sich die hellen Nähte von Bekleidung nach dem Färben erklären. Beispielsweise gehören Procion MX, Deka Aktuell und Deka Waschmaschinenfarbe zu der Gruppe der Reaktivfarben. Fixiert werden Reaktivfarben in der Regel mit Soda oder einem ähnlich funktionierenden Fixiermittel. Reaktivfarben werden meistens, aber nicht immer, als Pulver angeboten. Die Fixierzeit lässt sich verkürzen durch eine Dampffixierung, wodurch gleichzeitig die Intensität der Färbung gesteigert wird.
  • Säurefarben eignen sich für Seide und für Wolle und ergeben brillante, echte Färbungen. Fixieren lassen sie sich nur mit Dampf (Fixiergerät, Dämpfer, Mikrowelle) oder durch 20 Minuten heißes Färben in einer Färbeflotte. Säurefarben gibt es als Pulver und auch als Flüssigkeit gelöst (dampffixierbare Seidenmalfarben).
  • Universalbatikfarben (z. B. "Deka L") eignen sich für alle Naturfasern, weil sie aus zwei Farbstoffgruppen zusammengesetzt sind: die eine ist für Seide und Wolle gedacht (Säurefarben), die andere für Pflanzenfasern (Direktfarben). Je nach Stoff wird nur ein Teil der Farbstoffe gebraucht, der andere Teil wird weggeschüttet. Direktfarben werden ebenfalls durch Hitze fixiert, entweder durch Färben im Topf oder durch anschließendes Fixieren im Fixiergerät oder in der Mikrowelle. Die nicht so tollen Echtheiten können durch eine anschließende Behandlung mit einem chemischen Fixierer oder einer Dampffixierung erhöht werden.




1 Kommentar:

  1. Liebe Sabine,
    vielen Dank für die Mühe, die du dir immer mit diesen Posts machst.
    Dass sich Textil-Acrylfarben nicht entfärben und überfärben lassen, habe ich auf die harte Tour gelernt :-) und so mancher misslungene Stoff ist im Mülleimer gelandet. Ich war aber auch schon angenehm überrascht, dass sich bemalte Stoffe sogar bei 60 Grad waschen lassen und nicht mal abfärben (was natürlich nicht immer so sein muss, deshalb lieber nicht nachmachen!) Im Moment kombiniere ich das Färben der Stoffe mit Procion und danach das Bedrucken mit Dekaprint bzw. Entfärben mit Entfärberpaste. Diese Stoffe haben schon einen festeren Griff, aber ich verwende sie ja sowieso für solche Sachen wie Taschen, Kissenbezüge, Krempelkörbchen oder Schlampermäppchen. Das darf's auch schon mal bisschen fester sein.
    Abgesehen von 2 Loops habe ich mich noch nicht an Kleidung gewagt, die häufiger gewaschen werden muss. Steht aber auf dem Plan.

    Grüße
    Ute

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