03.11.14

Ausbrennen II: Anleitung für die Herstellung von Devoréstoffen


Der aktive Bestandteil des Devorants ist Natriumhydrogensulfat, ein Salz, das bei Erwärmung eine leichte Säure bildet, die Cellulosefasern angreift, Proteinfasern dagegen belässt. 
Das Salz wird zum Auftragen mit einer mitgelieferten Verdickerpaste vermischt, und zwar im Verhältnis 15:85. 

BECHERMIX 
NACH ELISABETH SCHWINGE
Das kann man auswiegen, aber wir haben mit einer einfachen Vorgehensweise sehr gute Erfahrungen gemacht, die von Elisabeth Schwinge in ihrem Buch über Ausbrennen veröffentlicht hat.
Sie verwendet zum Abmessen kleine 30ml-Messbecher, die im Bastelhandel angeboten werden (einen solchen kleinen Messbecher legen wir Devorantbestellungen bei).
Rezept: Man mischt 3 volle Becher Verdickerpaste mit soviel Salz, wie 2cm hoch in den Becher passen.
Diese Mischung wird in ein sauberes Glas gegeben und mit einem Plastiklöffel gut verrührt. Das Salz löst sich schnell, wobei die Paste eine Anthrazitfarbe annimmt.
Diese Devorantpaste wird dann analog wie Farbe aufgetragen.

GEEIGNETE STOFFE
Spezialstoffe. Besonders geeignet sind Spezialstoffefür Devorés, die aus einem Seidenrücken und einer Vorderseite aus Viskose bestehen. Am bekanntesten ist der sogenannte Seidensamt, dessen glänzender Viskoseflor mit dem Dévorant gemustert werden kann. Prima lässt sich auch mit dem glänzenden Viskose-Seide-Satin arbeiten. Beide Stoffe bestehen aus einem Doppelgewebe: wird der Viskoseanteil ausgebrannt, bleibt ein transparenter, aber stabiler Seidenrücken übrig. der Paste
Andere Mischgewebe aus Cellulose- und Proteinfasern. Hier gibt es ein weites Feld zum Experimentieren! Wichtig ist, dass zumindest die Kett- oder Schussfäden aus reiner Seide (oder Synthetik) bestehen, sonst löst sich das Gewebe auf.
Reine Cellulosestoffe. Normalerweise würde sich ein solcher Stoff in Kontakt mit der Ausbrennerpaste völlig auflösen. Gemalte, gedruckte oder gestickte Reservierungen auf Baumwoll- oder Leinenstoffen erlauben aber das gezielte Ausbrennen von Spitzenmustern, wenn das Dévorant innerhalb der Muster aufgetragen wird (vgl. dazu das Video auf YouTube: How To Do Cutwork and Burnout Using Fiber Etch).
Selbst gestaltete Mix- und Schichtstoffe. Wenn man sich die oben aufgeführten Überlegungen zu Nutze macht, lassen sich für freie Arbeiten und Artquilts aufregende Stoffe selbst herstellen. Die obere Schicht sollte aus einem Gewebe bestehen, das sich ganz oder zumindest teilweise ausbrennen bzw. öffnen lässt, um die unten liegende Stofflage sichtbar zu machen, die ganz oder zumindest teilweise stabil bleiben muss, wenn sie mit Dévorant in Berührung kommt.
Kräftige Stoffe lassen sich sehr einfach ausbrennen.
Leichte Stoffe verkohlen schnell beim Bügeln. Deshalb sind für das Gelingen bei solchen Geweben drei Faktoren wichtig:
  1. die richtige Mischung der Dévorant-Paste
  2. der richtige Auftrag und 
  3. die Temperatur beim Bügeln von besonders großer Bedeutung.

AUFTRAGEN DER PASTE
Die Paste hat nach dem Anrühren die Konsistenz von flüssigem Honig. In diesem Zustand eignet sie sich optimal für alle Techniken des Auftrags. Arbeitet ihr mit dem Viskose-Seiden-Samt, solltet ihr die Paste immer auf die Seidenrückseite auftragen. Der Viskose-Seiden-Satin kann dagegen von beiden Seiten her gemustert werden.
Prinzipiell kann man die Paste etwa eine Woche aufbewahren (kühl und dunkel ist immer gut).
Man arbeitet mit der Paste wie mit einer angedickten Farbe. Am besten lässt sie sich durch Pinsel, Liner, Schwamm, Schablone oder Siebdruck aufbringen. Ich habe viele meiner Beispiele mit unseren Siebdruckschablonen gemacht. Siebdruck und Siebdruckschablone mag ich besonders, weil sich damit schöne, klare Umrisse drucken lassen. Beim Auftrag mit Linern, Schwamm und Pinsel habe ich manchmal leicht ausgefranste Konturen erhalten, weil sich die Menge der aufgetragenen Paste und der Druck, mit dem aufgetragen wird, weniger gut kontrollieren lässt. Dies ist vermutlich auch der Grund, warum ich mit Stempelaufträgen nicht so gut zurechtgekommen bin.
 

ARBEITSABLAUF
Wenn man mit Stoff und Paste noch nicht vertraut ist, macht man am besten zunächst einige Versuche auf einem Probestück.
Aufbringen. Das Devorant wird angerührt und je nach Technik aufgebracht. Vor ihrer Aktivierung muss die Paste auf dem Stoff gut durchtrocknen, dabei kann mit einem Föhn nachgeholfen werden. Elisabeth Schwinge schreibt, dass die Paste nicht über Nacht auf dem Stoff verbleiben, sondern noch am selben Tag aktiviert und ausgewaschen werden sollte.
Aktivierung durch Bügeln. Diese Phase habe ich als die schwierigste empfunden, weil man den richtigen Zeitpunkt für das Beenden des Bügelns erwischen muss. Nicht zu kurz, sonst brechen die Fasern nicht ab. Nicht zu lange, sonst verbrennt der Stoff. Das braucht etwas Erfahrung (siehe oben).
Die Spezialstoffe zum Ausbrennen können mit Baumwolleinstellung von der Rückseite her gebügelt werden (Backtrennpapier benutzen), da diese Gewebe eine hohe Stabilität besitzen. Nie das Bügeleisen auf dem Muster stehen lassen, da es sonst schnell zu unerwünschten Verbrennungen im Stoff kommen kann.
Das Bügeleisen über den Pastenauftrag bewegen, bis sich dieser gelb-bräunlich verfärbt. Ob sich die Cellulosefasern bereits lösen, kann man durch vorsichtiges Kratzen prüfen. Bitte beachtet beim Bügeln die unten genannten Vorsichtsmaßnahmen. Bügeleisen und Bügelbrett schützt man durch je eine Lage Backtrennpapier.
Auswaschen. Um die losen Fasern zu binden (sie sollten nicht eingeatmet werden!), wird der Stoff zuerst in einer Schüssel gewaschen, wobei die Muster vorsichtig gerieben werden. Stabile Stoffe können anschließend in der Maschine bei 30-40°C mit Feinwaschmittel gewaschen werden, fragile Stoffe wäscht man besser mit Hand.
Färben. Nach dem Trocknen ist der Stoff bereit für die nächste Aktion - das Färben, Bemalen, Bedrucken...

VORSICHTSMASSNAHMEN
Viele textile Techniken erfordern Vorsichtsmaßnahmen und verantwortliches Vorgehen, so auch der Umgang mit Dévorant. Das beginnt beim Aufbewahren der Chemikalien und Werkzeuge. Alles sollte gut lesbar beschriftet sein, nicht erreichbar für Kinder und getrennt von Lebensmitteln aufbewahrt werden.
Augen- und Hautkontakt mit der Paste meiden: Handschuhe und Schutzbrille verwenden und in einem gut durchlüfteten Raum, besser noch im Freien, arbeiten.
Das Ausbrennen ist ein chemischer Vorgang, der verantwortungsbewusst und vorsichtig durchgeführt werden muss. Beim Bügeln entstehen leicht säurehaltige Dämpfe, vor denen ihr euch durch gute Lüftung; Arbeiten im Freien und dem Gebrauch einer Atemschutzmaske schützen solltet.
Diese Technik eignet sich nicht für Menschen mit Neigung zu Allergie und Atemproblemen.

Eine allgemeine Einführung in das Ausbrennen und Möglichkeiten der Farbgestaltung findet ihr HIER.

Kommentare:

  1. Super, vielen Dank!
    Ich melde mich jetzt mal für euren Junikurs an, vielleicht können wir das dann mal ausprobieren?

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    1. Toll, wir freuen uns sehr!
      Ausbrennen können wir gerne ausprobieren an diesem Wochenende und viel, viel mehr...
      Liebe Grüße von Sabine

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