09.10.14

Färben mit Tee



Seidentuch, mit Tee gefärbt und mit einer Mischung aus GummiArabicum und Eisensulfat bedruckt (Stempeldruck). Beim Auswaschen des Verdickers hat sich überschüssiges Eisensulfat aus den Drucken gelöst und die Teefärbung dunkler und kühler gemacht. Nachtrag: ich bin in der Antwort zu einem Kommentar ausführlicher auf das Druckverfahren eingegangen
Ein altes Rezept, um weißen Stoffen eine harmonische Tönung zu verleihen, stammt aus England. Dort galt es lange Zeit als elegant, neue Dekorationsstoffe aus Baumwolle abzutönen: sie kamen in ein Bad aus schwarzem Tee, das ihnen die richtige Nuance verpasste. So stachen sie nicht mehr blendend weiß ins Auge, sondern gefielen durch eine angenehm zurückhaltende Beigeschattierung.
Tee, ob grün oder schwarz, enthält stets eine beträchtliche Menge an Gerbstoffen. Diese Gerbstoffe bescheren dem Teeblatt nicht nur seine vielerlei günstigen Auswirkungen auf die Gesundheit (Gerbstoffe gelten als wirkungsvolle Antioxidantien), sondern sorgen außerdem für Farbe.
Tee alleine ergibt bereits haltbare Färbungen (so habe ich das bei dem Kissen von gestern gemacht). Eine Zugabe von Beize -eine Art Fixiermittel- erweitert die Farbe in eine Palette harmonischer Braun- und Grauschattierungen.
Teeblätter eignen sich vor allem zur Färbung von Seide, Wolle und Baumwolle. Die schwerer zu färbenden Stängelfasern Leinen, Hanf, Ramie und Bambus nehmen eine Teefärbung nur ziemlich hell an und sollten deshalb besser mit stärker wirkenden Farbstoffen getönt werden (z.B. Katechu für Braun- und Grauschattierungen).

Zum Färben wählt man einen preiswerten schwarzen Tee, z.B. eine Ostfriesenmischung, denn diese besteht aus kräftigen, dunkel färbenden Blattsorten.
Bei Wolle und Seide kann mit ca. 25g Teeblättern für 100g Stoff beginnen, für Baumwolle verwenden Sie etwas mehr. 
Kochent den Tee auf und lasst ihn mindestens eine Viertelstunde köcheln. Nach kurzer Zeit beginnt der Gerbstoff, sich aus dem Blatt zu lösen. Nachdem der Tee ausreichend lange gezogen hat, müssen die Teeblätter gründlich aus dem Farbbad gesiebt werden, damit bei der Färbung keine Unregelmäßigkeiten entstehen. Das Teebad kann lauwarm oder heiß angesetzt werden. Aber: je wärmer, desto stärker ist die Färbewirkung.

Wolle und Seide erhalten bereits bei einem schwachen Farbbad eine sanfte, gedeckte Sandtönung, während sie in kräftigeren Lösungen eine Farbpalette von Gold bis Braun annehmen. Weiße Baumwolle nimmt die Farbe als Beige an.
Wird der Stoff mit Alaun (Kalium-Aluminium-Sulfat) gebeizt (vorbehandelt), so fällt die Färbung auf allen oben genannten Fasern kräftiger aus. Bei einer Beize mit Eisensulfat wird die Färbung dunkler und geht ins Graubraun über.
Alle Färbungen besitzen eine verhältnismäßig gute Lichtechtheit, sollten jedoch nicht ständig einer starken Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden. Verblasst die Farbe zu sehr, gelingt eine Überfärbung mit Tee spielend leicht.

Bei meinem Kissen gestern habe ich es mir ziemlich einfach gemacht. 
Für das Vorder- und Rückenteil habe ich einen Sud aus 6-7 Teebeutel (sie waren sehr, sehr lange abgelaufen) gemacht und die vorher gründlich angefeuchteten Stoffe nacheinander in den heißen Tee gelegt. Die Färbedauer lag jeweils bei etwa 15 Minuten. Dann gespült und getrocknt, das war alles. Wie oben schon gesagt: möchte man die Farbe dunkler haben, einfach noch einmal darüber färben.


Kommentare:

  1. Ja, mit schwarzem Tee habe ich auch schon gefärbt und sowohl auf Baumwollstoffen als auch auf Wollgarnen schöne Ergebnisse erzielt. Leider verraten Sie nichts über den anschließenden Druck. Das würde mich interessieren. Könnte man mit diesem Verfahren auch diese indischen Druckstempel aus Holz verwenden?
    LG
    Siebensachen

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    1. Ja, ich bin sicher, dass man auch mit Holzstempeln drucken kann.
      Eventuell wäre ein anderer Verdicker gut, aber das müsste man ausprobieren (die natürlichen Verdicker sind sich zwar ähnlich, haben aber alle kleine Unterschiede in ihrem Verhalten). Wir haben damals Stempel aus einem Synthetikmaterial verwendet, und diese Stempel und GummiA. haben sich besonders gut vertragen.
      Das Drucken war tatsächlich so einfach wie oben beschrieben: ich hatte etwas Verdicker angerührt, eine Prise Eisensulfat eingerührt (leider ohne Mengenangabe, wir hatten das damals nur auf die Schnelle mal ausprobieren wollen, aber man braucht nur sehr wenig) und den Mix mit einem harten Gummiroller aufgetragen und gedruckt.
      Das Eisensulfat ist hoch reaktiv, es verbindet sich ganz schnell mit der Faser. Man muss nicht weiter fixieren, sondern kann nach kurzem Antrocknen des Verdickers das Tuch auswaschen. Wenn man auf diese einfache Art und Weise vorgeht, löst sich allerdings überschüssige Beize und geht dann "verdunkelnd" auf den ganzen Stoff über. Die warme Teenunance wird etas dunkler und kühler.
      Dies ist -wie gesagt- eine super einfache Möglichkeit, aber das Thema ist unendlich...
      Brunhilde und Fritz haben ganze Druckserien mit allen möglichen Beizen und Beizenkombinationen und Variationen im Vorgehen durchgeführt mit tollen Ergebnissen. Ich hoffe, dass wir nach und nach immer wieder mal etwas einstellen können.
      Liebe Grüße
      Sabine

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