08.10.14

Abstrakte Blätter - MusterMittwoch bei Müllerin Art

Kombination von Stempeldruck und Siebdruckschablonen: Kissen aus Bouretteseide
Direkt herbstlichen Farben habe ich dieses Mal für mein MusterMittwoch-Projekt nicht gewählt, aber dennoch Farben, die gut zum Herbst passen: ein gedecktes Blau wie von blauen Trauben oder Blaubeeren, ein kräftiges Rot wie von Hagebutten und ein warmes Beige von heißem Tee, das den Hintergrund abgibt.
Meine Blätter sollten abstrakt dargestellt werden: eine reduzierte ovale Form für die Blattfläche, bedruckt mit einer Siebdruckschablone, die in dieser Kombination stilisierte Blattadern darstellt.
Das Muster wurde für diesem Stoff in Reihung gedruckt, einigermaßen genau, aber nicht zu genau, so wie es zu einem Handdruck passt.

Technik: Stempeldruck mit selbstgemachtem Stempel und Siebdruck mit Siebdruckschablone. Überfärbung mit schwarzem Tee.

Material & Werkzeug
Der Stempel besteht aus Styrodur, dem Material meiner Druckunterlage vom Arbeitstisch.
Styrodur ist ein preiswertes Material zum Dämmen aus dem Baumarkt. Es lässt sich prima schneiden (Cutter, Schere, Sägemesser) und gravieren. Einen ähnlichen Effekt hätte man auch mit einem Stempel aus Moosgummi, Gummi oder Linoleum erzielen können oder mit einer offen geschnittenen Schablone. Der Abdruck würde je nach Material und Art des Farbauftrags etwas unterschiedlich erscheinen.
Die Druckfarbe besteht aus 2 Teelöffel Dekaprint Mittelblau, 1 Teelöffel Dekaprint Grau und 3 Teelöffel Dekaprint Farblos. Das Weiß, das man wenig sieht, ist DekaPermanent Stoffmalfarbe. Das Rot stammt  von Dekaprint Hellrot.
Der Stoff besteht aus gebleichter Bouretteseide 34, relativ dicht gewebt mit eher glatter Oberfläche und gut geeignet zum Färben und Bedrucken.
Die verwendete Siebdruckschablone ist Rispe klein.

Ablauf

1  Mit dem Phantomstift (Zauberstift) die Mitten kennzeichnen. Dieses Mal habe ich sogar die Stellen eingezeichnet, an denen die Drucke platziert werden sollen.
Der Grund: Stempel geben manchmal anfangs wenig Farbe ab, später -wenn sie gesättigt sind- mehr. Damit sich Hell und Dunkel gleichmäßig über den Stoff verteilt, wollte ich die Drucke nicht einfach von links nach rechts verteilen sondern quasi über den Stoff tanzen lassen.


2  Stempel mit dem Pinsel mit der blauen Farbmischung bestreichen und abdrucken.

3  Nach dem Bügeln der Drucke wurden die Rispen mit Weiß (DekaPermanent Stoffmalfarbe) auf das Blau gedruckt. Das Weiß hat nicht ausreichend gedeckt und der Kontrast wirkt ziemlich blass und langweilig.
Deswegen hatte ich mich entschlossen, die weißen Rispen mit Hellrot zu überdrucken.
Da die Farbe des Untergrunds die Farbe des Drucks beeinflusst (die meisten Druckfarben sind "halbtransparent"), wird das Hellrot auf dem Blau zu einem gedeckten, herbstlichen Ton.





4  Der rote Druck muss nicht genau auf dem weißen sitzen, es sieht sogar besser aus, wenn er etwas versetzt gedruckt wird, weil dadurch mehr Tiefe auf dem Stoff entsteht.

5  Der Kontrast des gebleichten Materials und des Drucks (siehe oben) war mir schließlich zu hart.
Eine einfache und schnelle Lösung ist eine Färbung mit Tee. Teefärbungen sind immer dezent und haben eine warme Ausstrahlung.
Eine solche Überfärbung gelingt, weil DekaPrint auf Acrylbasis ist und nach dem Fixieren (Bügeln) eine Art Reservierung (Abdeckung) auf dem Stoff bewirkt.
So kann man heiß über den Druck färben, ohne dass sich das Muster in der Farbe verändert oder sich auflöst.




Unser Beitrag zum MusterMittwoch von letzter Woche:
http://textile-ideen.blogspot.de/2014/10/herbstblatter-fallen-mustermittwoch-bei.html

Ich freue mich schon auf die Muster, die heute und in den nächsten Tagen bei Müllerin Art zu sehen sind 
HIER klicken, und schon seit ihr beim MusterMittwoch!






Kommentare:

  1. Schön die Entstehungsgeschichte mal so ausführlich zu sehen und zu lesen, richtig reinversetzen in den Prozess kann man sich da ;-). Die Rispe hatte heute Wiedererkennungseffekt bei mir, denn ich hatte heute eure Post und muss endlich mal das Naturdruckbuch auf meine Wunschliste setzen. Ich werde nicht mehr lange widerstehen können... Lieben Gruß Ghislana

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    1. Danke für Deine liebe Mail! Ich bin ja nicht so gut im Fotografieren und mache das deshalb auch nicht so gerne...
      Aber ich denke, wenn man sieht, was schief gehen kann und wie man Fehler reparieren kann, dann macht das Lust, es auch mal auszuprobieren.
      Liebe Grüße von Sabine

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  2. Das Rot gibt dem Ganzen den besonderen Kick, gut dass das Weiß nicht so gedeckt hat, sonst wäre es ja nicht dazugekommen. Mich interessiert aus welchem Material i der Rispenstempel ist, denn so kleine Kreise gelingen nicht so leicht.
    VG kaze

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    1. Ja, ich glaube auch, dass das Rot den Stoff überhaupt gerettet hat. Auch das Überdrucken mag ich gerne. Wieder ein Beispiel dafür, dass "Fehler" gut für den prozess sein können.
      Der Rispendruck ist kein Stempel sondern eine unserer Siebdruckschablonen. Ich habe das Muster in einem Zeichenprogramm entworfen.
      Dieses Motiv ließe sich aber auch gut als offene Schablone selbst herstellen, so wie es Michaela in der letzten Woch in ihrem Beitrag gezeigt hat.
      Viele Grüße von Sabine

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    2. Besten Dank für die Befriedigung der Neugier.jetzt ist klar warum das so wunderbar exakt ist. auch das ist etwas , was ich sehr schätze, dieses Nebeneienader von ganz exakt und etwas brüchig.

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  3. Danke für die Anleitung und die Idee mit dem Styrodur. Das Muster ist sehr schön geworden.
    LG
    Christine

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    1. Für Deinen netten Kommentar vielen Dank!
      Zu Styrodur will ich in den nächsten Tagen einen weiteren Beitrag schreiben. Die geschnittenen Stempel sind so gut in der Hand zu halten und brauchen keine Verstärkung. Sie halten nicht ganz so lange wie Moosgummistempel, sind aber total praktisch und geben schöne Drucke.
      Liebe Grüße von Sabine

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  4. Oh wie wunderwunderschön. Ich bin ganz verliebt in dein Kissen. Das würde ich sooo gerne einmal ausprobieren. Toll, dass du alles genau beschrieben hast (aber das mit der Teefärbung habe ich leider noch nicht verstanden), aber ich kann das ja auch sicherlich noch mal nachlesen. Wirklich zauberhaft und ich finde auch, dass viele "Unglücksfälle" geradezu wahre Glücksfälle sind (zumindest was die Kunst betrifft). LG Karin

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    1. Danke, das freut mich sehr!
      Zur Teefärbung will ich in den nächsten Tagen mehr schreiben - sie ist wirklich kinderleicht!
      Liebe Grüße von Sabine

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  5. Tolles Kissen und super Anleitung. Die Teefärbung klingt interessant.
    Schöne Grüße,
    Walter

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    1. Vielen Dank, Walter!
      Ich freue mich sehr über Rückmeldungen, denn es ist schwer, so ins Leere zu schreiben (wie alle Blogger wissen...).
      Über die Teefärbung schreibe ich in den nächsten Tagen.
      Schöne Herbstgrüße von Sabine

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  6. Dein Kissen ist wunderschön geworden:))
    ♥Kerstin

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  7. sehr hübsches kissen, das wär auch was für meine wohnung! die teefärbung ist auch eine echt tolle idee. liebe grüße, doro

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    1. Ich freue mich, dass Dir das Kissne gefällt. Einmal hatte ich mich Yogi-Schwarztee gefärbt, und da kam zu dem zarten Beigeton noch ein leckerer Duft nach Zimt...
      Liebe Grüße
      Sabine

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  8. Danke für deine genaue Beschreibung. daß ist ja fast schon ein Fernkurs.
    Das Muster mag ich sehr, besonders mit den doppeltgedruckten Rispen.
    Tee war auch der Liebling meiner Mutter, wenn sie für Ihre alten Porzelankopfpuppen Kleider genäht hat.

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  9. Danke Cynthia! Die Teefärbung ist schon etwas Besonderes, weil man meistens alles dafür in der Küche hat und sie auch so schnell und einfach geht. Für Puppenkleidung ist sie sicher ideal, weil sie dieser so eine antike Ausstrahlung verleihen kann.
    Liebe Grüße von sabine

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